Hat Rockstars Schulhof-GTA das Zeug zum Klassenprimus? Weiß es jemand & die Klasse?
In der Welt von CCE kommt nie jemand ernsthaft zu Schaden. Fies geht es trotzdem zu.
BILD: PLAYZONE
Das Phänomen Grand Theft Auto hatte im Lauf der Zeit bereits einige Nachahmer. Aber egal ob True Crime, Driver oder Scarface, die Versuche, Rockstars Ausnahmeserie vom Thron zu stoßen, waren zwar gut, gelangen aber nie vollends. Der aktuellste GTA-Klon Canis Canem Edit (ehemals Bully) hat aufgrund seiner Herkunft gute Chancen, der Gangster-Action-Referenz ernsthaft gefährlich zu werden - und das, obwohl die Entwickler gar nicht die direkte Konkurrenz suchen. Warum? Erstens unterscheidet sich das Setting des Erstlingswerkes von Rockstar Vancouver völlig von GTA und zweitens ist es nur in den grundsätzlichsten Elementen mit der Gangster-Parodie vergleichbar. Ist es dadurch nun schlechter oder besser als GTA? Die Antwort: weder noch! Canis Canem Edit (kurz: CCE) hat seinen ganz eigenen Charme.
Die perfekte 2. Schulzeit
Edna will den Chemielehrer klar machen und Jimmy hilft ihr dabei.
BILD: PLAYZONE
Der Titel fasziniert in erster Linie durch seine großartige Atmosphäre. Beim Rundgang über den Campus hört man eine Gruppe Nerds über die Brettspiel-Partie vom Vorabend diskutieren. Ein Schläger jagt einen kleinen, wehrlosen Schüler über den Hof. Ein paar Mädchen lästern über eine Mitschülerin aus der Nerd-Clique. Jedoch bleibt man nicht die ganze Zeit über der stille, unbeteiligte Beobachter, den scheinbar keiner wahrnimmt. Rempelt man einen Mitschüler, entschuldigt er sich oder echauffiert sich über die Unachtsamkeit. Man bekommt von Mädchen Komplimente für das neu erstandene Outfit zu hören oder wird einfach von seinen Mitschülern gegrüßt. Allerdings wird man auch oft mit verbaler oder physischer Gewalt konfrontiert. Man wird angerempelt, provoziert, beschimpft oder in eine Prügelei verwickelt. All diese Interaktionen sorgen dafür, dass man ein Teil von Canis Canem Edit wird.
Nicht nur die Welt an sich wirkt sehr stimmig, sondern auch das Schülerdasein - und zwar mit allen Konsequenzen. Die wichtigste Regel, der man sich als Schüler beugen muss, ist der straffe Zeitplan. Um 8 Uhr klingelt der Wecker und um 9 Uhr beginnt der Unterricht. Nach der Mittagspause geht es um 13 Uhr weiter, bis dann endlich um 15:30 Uhr die Freizeit beginnt. Die Teilnahme an den insgesamt sechs Fächern (Chemie, Englisch, Kunst, Sport, Arbeitslehre, Fotografie) ist an und für sich Pflicht. Schwänzt man, muss man sich vor den Präfekten und der Polizei in Acht nehmen, die einen postwendend zum Unterricht zwingen, falls man sich erwischen lässt.
Drückt man die Schulbank, erweitern sich Jimmys Fähigkeiten. So kann der kahl geschorene "Musterschüler" neue Schlag- und Tritt-Kombos ausführen, verbessert seine Zielgenauigkeit mit der Steinschleuder oder stellt mit seinem Chemiebaukasten Böller, Juckpulver und Stinkbomben in großen Mengen her. Einige Fächer haben durchaus einen Nutzen, andere sind völlig belanglos. Im Englischunterricht etwa verfeinert man durch das Lösen von bockschweren Anagrammen seine rhetorischen Fähigkeiten. Im Schulalltag ist es allerdings völlig ohne Belang, ob man sich eleganter entschuldigen oder jemanden wortgewandter beschimpfen kann. Geschwollene Worte können missverständlich sein, geschwollene Lippen hingegen nicht.
